Die Kommune Güstritz stellt sich vor

Wir, das sind momentan (2015) sieben Erwachsene und vier Kinder, haben im März 2010 die Hofstelle Im Rundling 14 in Güstritz gekauft, mit dem Ziel hier als Kommune zusammen zu leben. Wir möchten uns allen Interessierten vorstellen. Dazu gehört, dass wir im Folgenden unsere Grundsätze und deren praktische Umsetzung darstellen.

Wir versuchen unsere Utopien im Hier und Jetzt Wirklichkeit werden zu lassen. Wir sind uns darüber im Klaren, dass es kein richtiges Leben im Falschen gibt. Das Leben in unserer Gemeinschaft ist ein „Lebensprojekt“. Wir haben gemeinsame Ideale, entwickeln Ideen und befinden uns in einem stetigen Prozess der Weiterentwicklung. Wir bewegen uns in unseren Widersprüchen und sind uns über Diskrepanz zwischen Utopie und Wirklichkeit im Klaren.

 

Gemeinsame Ökonomie


Privateigentum bietet die Grundlage kapitalistischen Wirtschaftens und ist somit Ausgangspunkt für hierarchische Verhältnisse. Für uns bedeutet das einen anderen, nämlich kollektiven Umgang damit zu finden.

Wir haben Haus und Land als Verein „Leinen Los! e.V.“ gekauft. Damit sind das Haus und die dazugehörigen Weide- und Ackerflächen in kollektivem Besitz. Einzelne Mitglieder der Kommune können die Immobilie nicht verkaufen.

Im Alltag gibt es eine gemeinsame Kasse, aus der alle Ausgaben getätigt werden. Natürlich gibt es Dinge die der einen oder dem anderen wichtig sind und auch im „Privatbesitz“ bleiben. Das Fahrrad, bestimmtes Werkzeug usw. Trotzdem sind diese Dinge für alle benutzbar.
Für den Fall eines Ausstiegs gibt es individuelle Verträge, was wer wieder rausnimmt, wenn er oder sie geht.

Das letzte Hemd

Kommunikation


Eine gelungene Kommunikationsstruktur ist unentbehrlich für unser Zusammenleben.
Wir hoffen, dass Konflikte nicht nur in Strukturen, sondern auch im alltäglichen Umgang miteinander gelöst werden und wir aus diesen Auseinandersetzung gestärkt hervorgehen. Wir lehnen hierarchische Strukturen ab. Deshalb bleibt es uns wichtig dominante und diskriminierende Strukturen offenzulegen, zu reflektieren und damit vermeiden zu können. Transparenz in der Auseinandersetzung mit uns sowie nach „aussen“ ist uns ein Grundanliegen.
Entscheidungen werden grundsätzlich im Konsens getroffen, damit sie für alle gleich tragbar sind. In den verschiedenen Bereichen der Kommune gelten die Prinzipien der Selbstorganisation, d.h. jede/r wird an den Entscheidungen beteiligt, die sie/ihn betreffen.
Einmal die Woche findet das „Orgaplenum“ statt, in dem es um die Organistation der folgenden Woche geht. Zu diesem Plenum sind alle zu diesem Zeitpunkt in der Kommune anwesenden Menschen eingeladen. Also auch alle Gäste und Besuch.
Befindlichkeiten der Einzelnen werden wegen der Dominanz von Organistorischen Dingen oft nicht genug wahrgenommen. Dies kann unter Umständen dazu führen, dass in der gesamten Gruppe schlechte Stimmung herrscht und irgendwann „gar nichts“ mehr geht. Wir fangen daher das Plenum mit einer „Befindlichkeitsrunde“ an, um einschätzen zu können, wie es den Einzelnen geht,ob Streitigkeiten in der Luft liegen, oder ob einfach alle gut gelaunt sind.
Um das Plenum nicht unnötig in die Länge zu ziehen, sollen auf dem Orgaplenum nur die Dinge besprochen werden, die alle Beteiligten betreffen, alles weitere wird in den AGs (Garten, Bau…) geklärt und gegebenenfalls wieder ins Orgaplenum zurück. Darüber hinaus gibt es noch ein Orgabuch in dem wir uns Nachrichten schreiben.
Einmal im Monat gibt es eine Runde, die Themen vorbehalten ist, die die allgemeinen Befindlichkeiten betreffen.
Zum Jahresende machen wir einen gemeinsamen Jahresrückblick und schauen wo wir einzeln und gemeinsam nächstes Jahr hin möchten.
Zu komplexeren, speziellen Themen gibt es extra Themenwochenenden.
Wir möchten jedoch auch außerhalb der festen Strukturen Momente der Kommunikation haben. Deshalb ist es uns wichtig auch gemeinsame Momente im Alltag zu haben, wie z.B. gemeinsames Mittagessen.

Kollektiv, Kinder und Familie


Als Kollektiv zusammen zu leben bedeutet gemeinsame Verantwortung für einander zu übernehmen. Dadurch entsteht für uns alle eine Stückchen mehr an individueller Freiheit. In der klassischen Kleinfamilie werden oft (unbewusst) patriarchale Grundmuster reproduziert. Dem versuchen wir entgegen zu wirken, in dem wir den Kindern die Möglichkeit bieten wollen, sich in ihrem Tempo und ihren Neigungen entsprechend zu entwickeln und sich selbstständig weitere Bezugspersonen zu wählen. Die Auseinandersetzung mit Familie als Struktur erfordert auch die Kritik der eigene Geschlechterrolle, ihre Funktion für und in der Gesellschaft.
Wir versuchen uns immer wieder kritisch mit dem Thema auseinander zu setzen. Wir versuchen die Verantwortlichkeit für die Kinder zu teilen, in dem auch Aufgaben rund um die Kinder (vom Kindergarten abholen, Freizeitgestaltung usw.) geteilt werden.

Gesellschaftliche Veränderung


Wir streben mit der Kommune kein Inseldasein inmitten „der Gesellschaft“ an, vielmehr betrachten wir die herrschende Gesellschaft als ein Resultat von vielschichtigen gesellschaftlichen Kämpfen. Dies beinhaltet die permanente Möglichkeit zur Veränderung. Für uns bleibt es spannend zu beobachten wo unser Widerstand ansetzen kann, um erfolgreich zu sein und unserem Ziel, einer auf emanzipatorischen Grundsätzen basierenden egalitären Gesellschaftsform, näher zu kommen. Damit stehen wir nicht alleine. Die vielfältigen wider ständigen Praxen in der Welt machen Mut und Schaffen die Voraussetzungen zur Vernetzung. Solidarität bedeutet für uns in diesem Zusammenhang den Kontakt zu anderen emanzipatorischen Menschen und Gruppen zu suchen und zu pflegen. Sehen wo wir gemeinsam kämpfen können oder praktische Unterstützung leisten können.
Wir versuchen in der Kommune den verschiedenen Herrschaftsformen, des Kapitalismus eine praktische Kritik entgegenzusetzen. Auf diesem Weg sind wir nicht allein. Es gibt in der Region weitere Projekte, mit denen wir in einem regelmäßigem Austausch sind.


Der Garten als Teil Lebendiger Vielfalt


Der Garten ist in vielerlei Hinsicht ein zentraler Ort der Kommune. Er bietet uns die Möglichkeit uns mit ökologisch angebautem Gemüse selbst zu versorgen. Durch den direkten Bezug zur Erde und zur Natur mit ihren Kreisläufen, begegnen wir der fortschreitenden Entfremdung des Menschen von der Natur durch abstrakte Arbeit.
Der Garten ist ein Lebensraum für Menschen und Tiere. Wir möchten in einer Verbindung von Kunst, Kultur, Gärtnerei und Landschaftsgestaltung die Lebensqualität dieses Ortes nachhaltig verbessern.
In der herrschenden Gesellschaft ist Nahrung schlicht Ware. Dies führt neben dem Dezimieren der Artenvielfalt weltweit zu Hunger und Naturkatastrophen.
In der Konsequenz bedeutet das für uns einen anderen, verantwortungsvollen Umgang mit Pflanzen und Tieren zu entwickeln, der eine Gewährleistung der Ernährungssouveränität und die Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt garantiert. Wir wollen unser Konsumverhalten hinterfragen und Möglichkeiten für einen möglichst nachhaltigen und ökologisch sinnvollen Konsum finden.
Eine Verzichtsethik lehnen wir aber ab. Ziel ist es ein lustvolles Leben zu führen.


Das Gärtnereikollektiv

In unserer Gärtnerei bauen wir auf einer Fläche von einem Hektar vielfältiges Gemüse an. Über die Selbstversorgung hinaus möchten wir mehr Menschen unser Gemüse zugänglich machen. Es besteht bereits ein vielfältiger Austausch mit anderen Kommunen in der Region, denen wir nach Bedarf unser Gemüse zur freien Verfügung stellen. Wir haben uns zudem für ein besonderes Wirtschaftsmodell entschieden, im englischen bekannt unter der Bezeichnung „Community Supported Agriculture“ kurz CSA. „Von einer Gemeinschaft getragene Landwirtschaft“ bedeutet in der Praxis, dass sich um den Hof bzw die Gärtnerei eine Gruppe von Menschen aus der Region bildet, die diese ideell unterstützt und finanziell trägt. Die Unterstützer/Innen zahlen einen monatlichen Beitrag, damit die Produktionskosten gedeckt werden. Aus der Gärtnerei erhalten sie alle produzierten Lebensmittel zur freien Verfügung.
Die Nähe zwischen uns und den VerbraucherInnen ermöglicht einen bedarfsorientierten Anbau, der uns Markt unabhängig wirtschaften lässt. Wir möchten ein soziales Netzwerk um den Hof herum aufbauen. Einander Kennen zu lernen, uns regelmäßig auszutauschen und gemeinsame Aktivitäten durchzuführen sind uns wichtig. Wichtig finden wir auch Bewusstsein dafür zu schaffen, wie die eigene Nahrung produziert wird und anderen Menschen eine Beziehung zu unserem Garten zu ermöglichen. Wir lehnen Geld als Ausdruck einer Wertigkeit ab, aus diesem Grund ist es uns wichtig Netzwerke zu schaffen, die bedarfsorientiert an gemeinsamen Lösungen arbeiten.

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